Expertin des Monats Februar - Katarzyna Schubert-Panecka

Als Expertin des Monats präsentieren wir unsere Expertin für Polen Dr. iur. Katarzyna Schubert-Panecka.

Die gebürtige Polin ist ausgezeichnete Mediatorin und hat sich auf die Themen interkulturelle Führung, Verständigung und Zusammenarbeit spezialisiert. Im Interview spricht sie unter anderem über ihre Teilnahme am bundesweiten Vorlesetag mit PARLA, Unterschiede zwischen „deutschen“ und „polnischen“ Denkmustern und den Umgang mit Kommunikationsproblemen in der interkulturellen Verständigung.

Frau Schubert-Panecka, am 15. November des vergangenen Jahres haben Sie mit PARLA zum bundesweiten Vorlesetag beigetragen (Video wird verlinkt). Was stärkt Ihr Engagement für das Vorlesen?

Vor- oder Lesen überhaupt finde ich sehr wichtig, weil „die Grenzen meiner Sprache, die Grenzen meiner Welt [sind].“ (Wittgenstein) Indem wir uns mit der Sprache befassen, während jemand uns vorliest, können wir neue Welten entdecken, Phantasiereisen unternehmen oder einen vielfältigen und strukturierten Ausdruck erlernen. Gerade in unserer schnelllebigen Gesellschaft, in der vieles im Alltag vereinfacht wird, braucht es hier viel mehr Aufmerksamkeit und Zeit.
Die deutsche Sprache liefert eine schöne Struktur und Direktheit. Daher ist es angebracht, dass wir in einer multikulturellen Gesellschaft sensu largo auch der Mehrsprachigkeit respektvoll begegnen.

Wie schätzen Sie als PARLA-Expertin für Polen die Beziehungen zwischen Deutschland und unserem Nachbarland ein?

Über die deutsch-polnische Beziehung könnten wir uns stundenlang unterhalten. Meine Antwort würde auch davon abhängig sein, welche Ebenen wir genau betrachten. Die verschiedenen Komponenten unserer gemeinsamen Geschichte sind wichtig, die sozialen, wirtschaftlichen und privaten Ebenen sind miteinander verwoben und reagieren wechselseitig auf Bewegungen der sogenannten VUCA Welt.
Ich lebe seit fast 20 Jahren in Deutschland und arbeite seither daran, meinen polnischen MitbürgerInnen „die deutsche“ und den deutschen „die polnische" Perspektive näherzubringen. Wohlgemerkt, eine reine Form der „deutschen“ oder „polnischen“ Perspektive gibt es nicht. Sie sind vielfältig und komplex. Generell sind viele einzelne private und wirtschaftliche Beziehungen gut. Die politische Ebene ist – unter anderem- folgend der weltweiten Radikalisierung weniger zufriedenstellend.

Gibt es Gepflogenheiten, die Geschäftsleute aus Deutschland in Polen unbedingt beachten sollten?

Ich halte wenig von Rezepten oder Empfehlungen, was auf jeden und auf keinen Fall gemacht werden sollte. Vielmehr trainiere ich eine Handlungsfähigkeit mit Menschen aus aller Welt, die auf Kenntnis des bestimmten Hintergrunds der Person basiert. Um Ihnen dennoch eine Idee zu skizzieren, möchte ich die Bedeutung der Sprache wieder aufgreifen. Während die deutsche Sprache eher direkt und sachlich ist, ist die polnische Sprache deskriptiv und fokussiert die Beziehung zum Gegenüber. Folglich stößt eher die direkte Art und Weise von Kommunikation als Austausch von Informationen tendenziell (!) sowohl in Polen als auch in vielen anderen Kulturkreisen dieser Welt auf wenig Begeisterung. Die Beziehungen unter den Menschen werden in den letzteren eher sozial als sachlich betrachtet, so dass die Kommunikation primär dazu dient, diese Beziehung zu überprüfen und zu stärken.
In internationalen Mediationen begegnet mir manchmal die Situation, dass polnische KlientInnen überrascht sind von der sogenannten Kultur des Beibringens der deutschen KlientInnen. Diese kennen sie aber durchaus bei sich und können meistens über sich lachen. Ratschläge (ergo immer noch Schläge) ungefragt zu erteilen kann - nicht zuletzt folgend unserer Geschichte - schnell einen Riss in der Beziehung verursachen.

 

Gerade zur Zeit wird die Welt von politischen Spannungen erschüttert. Insbesondere bei der interkulturellen Verständigung, aber auch generell, kommt es immer wieder zu Kommunikationsproblemen, die zum Konflikt führen. Wie gehen wir solche Situationen am besten an?

Die Spannungen in den interkulturellen Begegnungen folgen oft einer Narrative der Angst, der Identifikation mit den eigenen Werten und … leider dem mangelnden Wissen. Viel lesen, kritisch denken und vor allem auch vertrauenswürdige Quellen heranziehen. Durch persönliche Reife und Dankbarkeit lerne ich meine Geschichte kennen und lerne auch, Andersartigkeit zu akzeptieren, ohne dabei naiv zu sein. So muss man auch Grenzen setzen können, wenn die eigenen Werte in Gefahr sind.

 

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