Expertin des Monats Januar/Februar - Cristina Ramalho

Expertin des Monats Januar/ Februar ist unsere Expertin für Brasilien und Lateinamerika Cristina Ramalho

Cristina Ramalho hat in Brasilien studiert und ist seit 1998 als Trainerin, Coach und Beraterin für interkulturelle Kommunikation tätig. Nebenbei engagiert sie sich ehrenamtlich als Leiterin einer Angehörigengruppe von trauernden Kindern bei TrauBe e.V. in Köln. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit als multilinguale Trainerin und die bedeutendsten Unterschiede zwischen der deutschen und brasilianischen Kultur.

Viel Spaß beim Lesen!

 

Liebe Frau Ramalho, das Jahr 2021 hat begonnen. Haben Sie Vorsätze für das neue Jahr? Und worauf freuen Sie sich dieses Jahr am meisten?

Meine Vorsätze sind:

  • Meine Kinder durch ein schwieriges Schuljahr zu begleiten
  • 2020 habe ich die Zeit genutzt, um mich in verschiedenen Bereichen (online-Moderation, Konflikt-Moderation, Projektmanagement, Tele-Tutor-Training) aus- und weiterzubilden. 2021 möchte ich mich intensiver mit der Umsetzung dieser Themen in meiner Arbeit beschäftigen.
  • Viel Sport. Sobald die Temperatur es erlaubt, im freien Wasser zu schwimmen und mit meinem SUP-Brett auf dem Rhein zu paddeln!

 

Ihr Motto lautet „Nicht die Dinge ändern sich; wir ändern uns“ von H.D. Thoreau. Inwiefern hat Ihnen dieses Zitat persönlich geholfen, mit der außergewöhnlichen Situation der Corona-Pandemie umzugehen und was finden Sie, hat sich in der Gesellschaft am meisten verändert?

Wir haben alle gemerkt, dass wenn wir nicht flexibel auf die Pandemie reagieren, wir bald verloren haben. Die Veränderungen waren da wie ein großer Elefant im Raum, den wir nicht sehen wollten. Wir haben gelernt, dass wir mit der Veränderung umgehen sollten und nicht dagegen steuern. Corona lehrte die Gesellschaft in Deutschland mit dem „Nicht-wissen“ umzugehen; sprich: wir haben gelernt mit Ambiguität umzugehen. Wir haben alle gemerkt, dass wir auf viele Dinge verzichten können – aber nicht auf die für uns wichtigen persönlichen Kontakte.

 

Sie sind Expertin für interkulturelle Kommunikation. Hierbei haben Sie sich auf Brasilien spezialisiert und haben auch dort studiert. Was fasziniert Sie an der brasilianischen Kultur? Was sind Ihrer Meinung nach die bedeutendsten Unterschiede zwischen der deutschen und der brasilianischen Kultur?

Was mich an Brasilien so fasziniert ist, dass Gegensätze wie z.B. modern und traditionell, manchmal nebeneinander wohnen. Mich fasziniert, dass wir stolz sind, Lösungen zu finden in Situationen, in denen schon viele aufgegeben hätten. Mich fasziniert die Spontanität von unplanbaren, schönen Momenten im Leben.

Die bedeutendsten kulturelle Unterschiede sind meiner Meinung nach in der Hierarchie (power distance) und in der Kommunikation zu finden: Brasilien ist eine ehemalige Kolonialgesellschaft – das dürfen wir nicht vergessen. Menschen aus hierarchischen Gesellschaften können sehr schnell die Nuancen zwischen den hierarchischen Stufen (wer wohin gehört) erkennen. Das ist eine der Herausforderungen für Führungskräfte, die aus Kulturen kommen, in denen die hierarchischen Unterschiede nicht so groß sind. Brasilianer*innen trennen tendenziell die Sache nicht von der Person. Aufgrund dessen gibt es eine Überlappung zwischen Arbeits- und Privatsphäre: Freunde werden zu Kolleg*innen und Kolleg*innen werden zu Freunden. Dadurch ist es bei Konflikten viel schwieriger, sachlich zu bleiben.

 

Sie arbeiten bei PARLA in verschiedenen Trainingssprachen: Deutsch, Portugiesisch und Englisch. Wie leicht fällt Ihnen der Wechsel zwischen den Sprachen?

Da ich meistens auf Deutsch oder Portugiesisch trainiere, sehe ich da keine Unterschiede. Es sei denn, die Teilnehmenden sprechen Dialekt – die Feinheiten / Nuancen kann ich nur mit Mühe verstehen. Wenn ich auf Englisch trainiere, bin ich am zweiten Tag meistens müder als sonst!

 

Als Coach bieten Sie interkulturelle Trainings an und sind im Bereich Spouse-Coaching tätig. Was verbirgt sich dahinter?

Im Spouse-Coaching geht es darum, dass der/die mitausreisende*r Partner*innen eine Möglichkeit bekommen, über die Entsendung und über ihre eigenen Ziele und persönliche Entwicklung zu reflektieren.

Eine Zeit lang habe ich auch oft Coaching für Expat-Kinder gegeben. Meistens wollen die Kinder wissen, wie die einheimischen Kinder ticken, wie die Schule ist, wie die Freizeitangebote in dem Ort sind. Es ist sehr wichtig, hier die Fragen der Kinder ernst zu nehmen und mit ihnen über die Veränderungen in ihrem Leben zu sprechen.

 

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Archiv - Experte/Expertin des Monats

Hier finden Sie all unsere Experten und Expertinnen des Monats mit den dazugehörigen Interviews im Überblick:

2020

  • November - Jörg Schumann, Business- und Mental Coach
    „Und darum muss es doch gehen: Dass wir eine sinnvolle Arbeit machen, bei der man in einem guten, konstruktiven Miteinander gute Ergebnisse erzielt und dabei lernt, Schritt für Schritt besser zu werden und dabei persönlich und als Team zu wachsen.“

2019