Trainerin des Monats - Johanna Abraham

Wir präsentieren unsere Expertin für interkulturelle Sensibilisierung und Kommunikation Johanna Abraham als Trainerin des Monats Oktober.

Die erfahrene Sprecherzieherin besitzt ein breites Spektrum an Ausbildungen und Zertifikaten und kann somit u.a. in den Bereichen Rhetorik, Kommunikation, Konfliktmanagement oder Mediation zum Einsatz kommen. Im Gespräch berichtet sie darüber, wie ihre Vergangenheit als Zahntechnikern ihr jetzt noch hilft, welche Irrtümer sie bei interkultureller Verständigung oft antrifft und welchen Stellenwert Veränderung für ihr Leben besitzt.

Frau Abraham, wenn Sie aus dem Fenster schauen und sehen, dass sich die Blätter nun immer schneller rot und braun färben, trauern Sie dann dem Sommer nach oder freuen Sie sich mehr auf den Herbst?
Ich lebe vorwärtsgewandt! Ich hatte einen wunderbaren und ereignisreichen Sommer mit schönen Reisen und spannenden Arbeitsaufträgen. Deshalb trauere ich ihm nicht nach, sondern zehre lange davon und freue mich auf alles, was da kommt! Abgesehen davon mag ich allzu große Hitze nicht so gerne und freue mich über die Abkühlung …

Bevor Sie den Trainerberuf begannen, haben Sie Zahntechnik gelernt. Wie kam es dazu, dass Sie sich umorientiert haben?
Ich habe viele Jahre sehr gerne in meinem erlernten Beruf gearbeitet und mich dort sehr spezialisiert. Nach der Geburt meiner Töchter fand ich den Gedanken unbefriedigend, in Teilzeit zurückzukehren und vielleicht deshalb nicht mehr auf dem Niveau arbeiten zu können, wie ich es für richtig halte. Gleichzeitig hat Kommunikation mich schon immer sehr interessiert und eine befreundete Trainerin gab mir dann den entscheidenden Tipp, mich für den Studiengang „Mündliche Kommunikation, Sprechwissenschaft und Sprecherziehung“ einzuschreiben. So konnte ich in der Familienphase ein Studium absolvieren, das heute ein sehr solides Fundament für meine jetzige Arbeit darstellt. Ich bin nachträglich sehr dankbar für diese Chance der Umorientierung und sehe die Tatsache, dass ich sowohl Handwerkerin als auch Akademikerin bin, als großen Mehrwert bei meiner heutigen Tätigkeit.

Eines Ihrer Kernthemen ist Konfliktmanagement und -moderation. Wie erkennen Sie nach einem Workshop, ob Sie nachhaltige Veränderungen bewirkt haben?
Das ist eine sehr berechtigte Frage, denn häufig ist mit einem einmaligen Workshop die Intervention abgeschlossen und nicht sinnvoll in einen Gesamtprozess eingebunden. Ich frage daher nach Absprache gerne im Nachgang bei den TeilnehmerInnen nach, wie sich die erarbeiteten Maßnahmen im Alltag bewähren. Im optimalen Fall höre ich dann, dass sich Beziehungen verändern und Bewegung in festgefahrene Situationen gekommen ist. Das braucht Zeit und muss sich nach einem Workshop erst etablieren und bewähren. Mir ist deshalb bei der Auftragsklärung besonders wichtig, den genauen Bedarf und den Status Quo zu erfragen, damit die Maßnahme maßgeschneidert ist und über den Workshop hinaus nachwirkt. Manchmal kann eine einmalige Intervention ausreichen, um einen Impuls zu setzen und die Beteiligten wieder selbstwirksam zu machen. Häufig ist aber eine längere Begleitung sinnvoll, damit festgefahrene Strukturen und eingespielte Muster sich nachhaltig verändern können. Diese Ziele und Meilensteine müssen vorher genau geklärt, in Meilensteingesprächen überprüft und ggf. in einem Follow-up weiterverfolgt werden.

Auch interkulturelle Sensibilisierung gehört zu Ihrem Repertoire. Ist das ein Thema, das angesichts der fortschreitenden globalen Vernetzung immer wichtiger wird?
Angesichts der fortschreitenden Globalisierung ist interkulturelle Kompetenz mittlerweile eine Kernkompetenz, die sich durch alle Arbeits- und Lebensbereiche zieht. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass Interkulturelle Kompetenz von selbst entsteht, wenn sich Arbeitsgruppen, Freundeskreise und Nachbarschaften nur bunt genug durchmischen. Sie ist so wichtig wie das „kleine ABC“, wird aber oft missverstanden als das Kennen von kulturspezifischen Do´s & Don’t‘s. Viel wichtiger ist mir jedoch eine kulturallgemeine Sensibilisierung und kritische Reflexion der individuellen kulturellen Prägung, damit ein Bewusstsein dafür entsteht, wo Normalitätserwartungen irritiert werden. Was ist mir wichtig und warum? Welche (meist unbewussten) Normen und Werte habe ich verinnerlicht? Was davon ist verhandelbar und was nicht? Das ist mühsam und kostet Zeit und Kraft, führt aber langfristig zu befriedigerenden und tragfähigeren (Arbeits-)Beziehungen!

Für Ihr PARLA-Expertenprofil haben Sie ein Zitat von Henry Ford ausgewählt: „Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist.“ Was macht die Aussage für Sie so bedeutend?
Das Leben ist zu kurz und auch zu spannend, um es sich in der einmal gefundenen Komfortzone gemütlich zu machen. Jeder von uns hat tolle Entwicklungsmöglichkeiten, es gibt ein unerschöpfliches Weiterbildungsangebot und man muss Möglichkeiten mit offenen Augen sehen und sich Herausforderungen stellen. Oft ist die Angst vor Veränderung der größte Hinderungsgrund, aber wer nichts loslässt, hat die Hände nicht frei, um neue Chancen zu ergreifen.
Ich liebe Veränderung, und Stillstand war für mich nie eine Option (siehe Frage 2). Aber ich muss ehrlicherweise auch sagen: Ich hatte immer eine große Unterstützung durch meine Familie, ein gutes Netzwerk, und nicht zuletzt einen unerschütterlichen Optimismus!

 

Möchten Sie mehr über Johanna Abraham erfahren?

Hier gelangen Sie zu ihrem Trainerprofil.

Archiv - Trainer/in des Monats

Hier finden Sie all unsere Trainer/innen des Monats mit den dazugehörigen Interviews im Überblick:

2019