Trainerin des Monats - Liudmila Gerasimova

Unser PARLA-Trainerin des Monats April ist Liudmila Gerasimova!

Wir präsentieren Ihnen unsere Russland-Expertin Liudmila Gerasimova als Trainerin des Monats April. Neben interkulturellem Austausch und Vermittlung zwischen Deutschland und Russland ist sie auch als Vertriebs- und Kommunikationstrainerin für PARLA tätig. Im ausführlichen Interview gibt Frau Gerasimova Einblicke in die Entwicklung und Potenziale der deutsch-russischen Beziehungen, die häufigsten Fehler deutscher Unternehmer auf Geschäftsreise und die Vorzüge Ihrer Themenbreite für die Arbeit im interkulturellen Kontext.

Frau Gerasimova, Sie sind gebürtige Russin und leben momentan in Köln – wofür können Sie sich mehr begeistern: Pelmeni (gefüllte russische Teigtaschen) oder Sauerbraten?

Ganz klar für Pelmeni, aber nur wenn sie handgemacht und sehr klein sind. Sauerbraten ist mir zu deftig und Hausmannskost ist grundsätzlich nicht mein Fall. Ich bevorzuge leichtere Küche mit einem Touch an Frische und Kreativität. Pelmeni lassen sich auch wunderbar abwandeln, z.B. in Teigtaschen mit Spinat oder auch in eine süße Variante mit Quark und Beeren, dann heißen sie allerdings Wareniki. Auch das mag ich sehr gerne.

Bei PARLA liegt Ihr Schwerpunkt auf den interkulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland. Was ist Ihr Paradebeispiel für einen Fauxpas, den man als deutscher Unternehmer in Russland machen kann?

Auch noch heutzutage zu glauben, dass man als Deutscher „mehr Ahnung“ hat und den russischen Geschäftspartnern die Welt erklären zu wollen. Leider beobachte ich immer noch genau diese Haltung, die den deutschen Unternehmern den Stempel der „arroganten Besserwisser“ in Russland beschert. Solche Klischees in beide Richtungen zu bekämpfen bedarf offensichtlich leider noch einiger Jahrzehnte.
Darüber hinaus ist es ein absoluter Fauxpas, sich den Kalender so vollzupacken, dass man als deutscher Geschäftsreisender nur so von Termin zu Termin hetzt, ohne sich Zeit für Beziehungspflege zu nehmen oder sich für die russische Kultur zu interessieren. Einer meiner deutschen Klienten hat es sehr zugespitzt auf den Punkt gebracht und im Coaching gefragt: „Wie lange muss ich dieses Palaver denn über mich ergehen lassen?“ Diese Haltung ist äußerst kontraproduktiv in Russland, wo sehr viel Wert auf eine emotionale Mensch-zu-Mensch-Kommunikation und auf Vertrauensaufbau gelegt wird.

Welches wirtschaftliche Potenzial liegt zwischen den beiden Ländern noch im Verborgenen?

Darüber, was noch im Verborgenen liegt, vermag ich erst gar nicht zu urteilen. Viel bitterer ist es für mich zu erleben, wie viel Potenzial in den letzten 5 Jahren ungenutzt blieb, obwohl es bis dato aktiv von beiden Seiten gelebt und gestaltet wurde. Die äußerst intensiven und gegenseitig befruchtenden Beziehungen in wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Sektoren, die sich in meiner Wahrnehmung bis 2014 stabil entwickelten, sind leider in den letzten Jahren den politischen Interessen zum Opfer gefallen. Viele Expatriates haben bzw. mussten Russland verlassen; viele deutsche mittelständische Unternehmen sind vom russischen Markt verschwunden.
Dies finde ich als Entwicklung sehr schade, da russische Großstädte einerseits einen attraktiven Markt mit klassischer Vorliebe für „Made in Germany“ darstellen und sich andererseits Stück für Stück zu Standorten entwickeln, an denen junge, innovative Unternehmensideen geboren und zügig umgesetzt werden. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Gerade in den Bereichen Service, Gastronomie, Hotellerie, Mode oder auch IT sowie Bildung & Kunst erlebe ich einen Aufschwung an einheimischen Dienstleistungen und Produkten, die ich mir auf dem vergleichbaren Level häufig auch in Deutschland wünsche. Und da findet meines Erachtens leider zu wenig Austausch statt. Wir reduzieren uns gegenseitig auf die „gewohnten“ Branchen wie Automotive & Maschinenbau (für DE) und Öl & Gas (für RUS), anstatt neue Branchen für die Zusammenarbeit zu eröffnen, uns von politischen Diskussionen abzukoppeln und noch viel mehr voneinander zu lernen.

Ihre Themenschwerpunkte sind mit Executive Training, Vertriebstraining und interkulturellem Training sehr vielfältig. Wie wichtig ist eine gewisse Breite von Themen im interkulturellen Kontext?

Ich bin einerseits ausgebildete Trainerin für Vertrieb, Service und Kommunikation und andererseits zertifizierte interkulturelle Trainerin und Coach. Mein Portfolio ist tatsächlich breit und ich arbeite auf allen hierarchischen Ebenen. Doch die Bausteine meines Profils ergeben für mich und meine Kunden ein perfektes Zusammenspiel - zum Beispiel, wenn ich mit Vertriebsteams arbeite, die an unterschiedlichen Standorten eine gleichsam professionelle Kundenansprache finden wollen. Da ich in drei Sprachen trainiere (Deutsch, Englisch und Russisch), lagen meine Einsatzorte letztes Jahr zwischen Riga und Shanghai und mit jedem Team profitiere ich von meiner interkulturellen Expertise, selbst wenn der Fokus des Trainings nicht auf Cultural Awareness, sondern auf klassischen Vertriebs- oder Führungskompetenzen liegt.
Letzten Endes geht es in interkultureller Kommunikation stets um Perspektivenwechsel und die Fähigkeit, im Spannungsfeld oberflächlich konträrer Verhaltensmuster zurück zu den tieferliegenden, gemeinsamen Werten zu finden. Nichts anderes passiert auch in der Kommunikation zwischen Mitarbeiter und Führungskraft oder auch zwischen Kunde und Kundenberater - all das sind verschiedene Kommunikationskulturen. Um diese zu beherrschen, erarbeiten wir in den Trainings das passende Repertoire und feilen vor allem an der eigenen wertschätzenden Haltung. Da kommt meine thematische und methodische Breite selbstverständlich zur Geltung.

Sie haben im Laufe Ihrer Beraterkarriere auch China als neues kulturelles Feld für sich entdeckt. Planen Sie bereits eine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Peking?

Nein, gebürtige Moskauer reisen nicht gern mit der Transsibirischen Eisenbahn - das überlassen wir lieber den deutschen Touristen ;) 
Ich war beruflich sowohl in Peking als auch in Shanghai und bin nach wie vor der Faszination Chinas erlegen. Ich hoffe, dass ich irgendwann auch im Rahmen privater Reisen mehr von diesem Land und seinen Menschen erleben darf. Bis jetzt bin ich sehr glücklich darüber, dass mir ein äußerst erfolgreiches Projekt mit chinesischer Vertriebsmannschaft eines deutschen Konzerns gelungen ist und dass wir kommunikativ und kulturell zueinander gefunden haben.

 

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